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Samstag, 19. Mai 2012
Grandiose Leidenstour für zwei über die Alpen Drucken E-Mail
Geschrieben von Auszug aus der RZ Bad Neuenahr-Ahrw. vom Mittwoch, 17. November 2010, Seite 10   
Mittwoch, 17. November 2010

Grandiose Leidenstour für zwei über die Alpen

Radsport 800 Kilometer, 18 gewaltige Hochgebirgspässe: Die TOUR-Transalp ist für Tausende Hobbyfahrer das Ziel der Träume.

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Grenzerfahrungen: 18 Alpenpässe, bis 30 Kilometer lang, gilt es im Zweierteam zu überqueren – das bedeutet 18-mal mentale und körperliche Höchstbelastung.  Fotos: Uwe Geißler

Mal ist sie unglaublich heiß, mal verdammt kühl. Ihre Kurven machen süchtig, ihr Profil flößt Furcht ein. Sie ist ebenso unbarmherzig wie begeisternd, schürt wie keine Zweite Wechselbäder der Emotionen. Ein Rendezvous mit ihr bedingt monate-, wenn nicht jahrelange Vorbereitung. Wenn es dann endlich so weit ist, quält sie dich und verursacht pausenlos Stress – und doch wird jeder ihrer Liebhaber mit leuchtenden Augen noch seinen Enkeln von der lustvollen Leidenswoche mit ihr erzählen.


Nur gemeinsam ist man stark

Seit acht Jahren ist die TOUR-Transalp für Tausende Hobby-Rennradsportler in aller Welt d a s Objekte der Begierde. Am 1. Dezember, dem Tag der Online-Anmeldung für 2011, werden auch diesmal die Startplätze wieder in Minutenschnelle vergeben sein. Martin Paffenholz (39) aus Bad Breisig (Anmerkung: Ist in Wirklichkeit aus  Bad Bodendorf und gehört der Radsportgruppe des SCB an!!!) hat sich den Traum bereits in diesem Jahr erfüllt, hat eine Woche lang einen Alpenpass nach dem anderen und dabei immer wieder auch den eigenen Schweinehund bezwungen: 800 Kilometer von Oberbayern bis zum Gardasee, 7 Etappen ohne Ruhetag, 18 brutale Pässe, 20 000 Höhenmeter – gemeinsam mit dem Autor dieser Zeilen, denn allein nützt die grandioseste Leistung gar nichts.

Als „Finisher“ dieser (Tor-)Tour gilt nur, wer es als Zweierteam bis ins Ziel schafft. Dabei werden die Zeiten beider Partner nicht etwa addiert – pro Etappe zählt für jedes Team ausschließlich das Resultat des Zweitplatzierten. Heißt: Wer schlau ist, bleibt zusammen; der Stärkere hilft dem Schwächeren, gibt Windschatten, kümmert sich um die Verpflegung, motiviert.

Unsere gegenseitige Motivation beginnt bereits im Jahr zuvor. Irgendwann im Frühling lernen wir uns im Ahrtal kennen (auf dem Rennrad natürlich), merken schnell, dass wir ähnlich ticken, ähnliche sportliche Ambitionen haben und – ganz wichtig – in ähnlichem Tempo unterwegs sind.

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Eiskalt: Zwischen Schneewänden hindurch kämpft sich das Feld auf der zweiten Etappe hinauf zum 2509 Meter hohen Timmelsjoch.

Monatelange Vorbereitung

Die TOUR-Transalp erscheint uns maßgeschneidert: mordsmäßig schwer, aber durchaus machbar und als Teamrennen ein ideales Projekt zu zweit. Fortan schmieden Martin und ich über Monate gemeinsam (Trainings-)Pläne und schaufeln zwischen Arbeit und Familienleben möglichst viele Radstunden frei. Wir diskutieren über Material und Ausrüstung, studieren immer wieder jeden einzelnen Anstieg, können irgendwann alle Transalp-Filme der Vorjahre mitsprechen und zermartern uns die Gehirne, mit welchem Bergtempo wir wohl gleichmäßig durch die Woche kommen, ohne zwischendurch total einzubrechen.

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Gluthitze: Bei Temperaturen bis 40 Grad in Südtirol sorgt der Italiener mit der Gießkanne für ein erfrischendes Intermezzo.

Als der Tag der Tage gekommen ist, glauben wir uns beim Start in Mittenwald bestens vorbereitet, um vielleicht – so unser Wunschdenken – im Mittelfeld der 620 Teams die Alpen zu bezwingen. Doch grau ist alle Theorie. Wider besseres Wissen fahren wir zu schnell, lassen uns von Tempobolzern und eigenem Adrenalin mitreißen. Folge: Die ersten steilen Rampen setzen uns so zu, dass wir Zweifel bekommen, ob eine Woche Hochgebirge im Stück für uns nicht doch eine Nummer zu groß ist. Ist sie aber glücklicherweise nicht. Fortan schaffen wir es tatsächlich, unsere Kräfte diszipliniert über alle Tage zu dosieren. Wir bleiben stets zusammen, ermahnen uns gegenseitig, wenn einem mal die Gäule durchgehen, überwinden gemeinsam unsere toten Punkte, sprechen uns Mut zu.

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Teamwork: Gemeinsam geht's auch an den steilsten Rampen besser. Gewertet wird im Ziel nur die Zeit des Zweitplatzierten jedes Duos.

Die grandiosen Bergwelten, die wir im Schnitt fünf Stunden täglich durchqueren, nehmen wir meist erst abends auf Fotos wahr. Auf dem Rad gilt der (Tunnel-)Blick fast nur den Leistungsdaten auf dem Computerdisplay am Lenker und dem Hinterrad des Vordermannes. Wer im Ziel weniger kaputt ist, besorgt Essbares und Cola, denkt sich irgendwelche ermunternden Sätze für den ins Leere stierenden Kollegen aus, sucht auf dem Ortsplan das für die nächste Nacht gebuchte Hotel und den Weg dorthin.

Volles Programm rund um die Uhr

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Glücksmoment: Martin Paffenholz (li.) aus Bad Breisig und Redakteur Volker Laabs überqueren nach 800 Kilometern, 20 000 Höhenmetern und 37:20 Stunden Fahrzeit in Arco unweit des Gardasees die Ziellinie.

Wir fahren im Team, wir lachen und leiden im Team. Den Stress nach jeder Etappe teilen wir ebenfalls durch zwei: Unterkunft finden, einchecken, hastig die Utensilien für eine Übernachtung aus dem Gepäck suchen, duschen, Muskeln dehnen, Trikots, Hosen etc. waschen, Trinkflaschen säubern, Rennräder checken, Kette ölen, Leistungsdaten am Laptop auswerten, Radklamotten für den nächsten Tag bereitlegen und, und, und. Abends dann zu Fuß zur Pastaparty, Schlange stehen zum Kohlenhydrate-Tanken, Tagessieger beklatschen, Tipps des Rennleiters für die nächste Etappe aufsaugen, auf schweren Beinen zurück ins Hotel, schlafen bis 6.15 Uhr, um 7 Uhr vor dem Frühstück die Gepäcktaschen zum Weitertransport abgeben, um 7.30 Uhr essen, um 8.30 Uhr im Startblock stehen, um 9 Uhr zu „Highway to hell“ von AC/DC erneut losrasen.

Warum wir uns das alles antun und dafür auch noch Geld bezahlen? Weil es für einen Hobbysportler gigantisch ist, mit Hunderten Gleichgesinnter sieben Tage unter Profi-Bedingungen auf abgesicherten Strecken aus eigener Muskelkraft über alle Berge zu kommen, immer wieder angefeuert von unzähligen Radsportfans an den Straßen. Weil es unbeschreiblich schön ist, Seite an Seite tatsächlich das Ziel zu erreichen, für das man gemeinsam so viele Monate so hart trainiert hat.

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Und los: Aus den Boxen wummert „Highway to hell“ von AC/DC, wenn die mehr als 1200 Teilnehmer allmorgendlich um 9 Uhr zur nächsten Etappe starten – hier an der Uferpromenade des Bergsees im Dolomiten-Dorf Alleghe.

Wir benötigen genau 37 Stunden, 20 Minuten und 31,5 Sekunden, landen schlussendlich auf Rang 330 von 620 gestarteten Teams – für die Statistik eine Platzierung im Nirgendwo, für Martin und mich jedoch ein großer Sieg.

Transalp kompakt:

Das Rennen:

Die TOUR-Transalp findet seit 2003 immer Ende Juni/Anfang Juli statt, im nächsten Jahr vom 26.6. bis 2.7.2011. Sie führt in sieben Etappen über die Alpen und ist eines der härtesten Etappenrennen der Welt für ambitionierte Hobby-Rennradfahrer.

Die Strecke:

Variiert jährlich. 2010 ging's von Mittenwald über Sölden, Brixen, St. Vigil, Alleghe, Kaltern und Trento nach Arco (fünf Kilometer nördlich des Gardasees). Tagesdurchschnitt der sieben Etappen: 114 Kilometer und 2900 Höhenmeter, insgesamt waren 18 Alpenpässe zu bezwingen. 2011 führt die Transalp von Sonthofen im Oberallgäu durch Österreich und Italien über Imst, Ischgl, Naturns, Livigno, Ponte di Legno und Kaltern nach Arco. Die genaue Streckenführung verraten die Veranstalter immer erst in der letzten Novemberwoche.

Das Reglement:

Gestartet wird ausschließlich in Zweierteams. Das Teilnehmerfeld ist auf rund 620 Mannschaften limitiert, unterteilt in die Wertungsklassen Herren, Damen, Mixed, Masters (Gesamtalter beider Teampartner mindestens 80 Jahre) und Grandmasters (mindestens 100). Es zählt ausschließlich die Zeit des Zweitplatzierten jedes Duos.

Die Anmeldung für 2011:

Ist nur online möglich. Beginn: am 1. Dezember um Punkt 12 Uhr. Hier geht es um 550 Team-Startplätze, die stets in Windeseile an die vergeben sind, die das Internet-Formular am schnellsten ausfüllen. Die übrigen Plätze behält sich der Veranstalter unter anderem für Sponsoren vor.

Die Startgebühr:

625 Euro pro Teilnehmer. Inklusive sind unter anderem der tägliche Gepäcktransport, Verpflegung während und nach dem Rennen, Absicherung der Strecke, medizinische Versorgung, Mechaniker-Service, allabendliche Pastaparty mit den Fotos des Tages, Briefing für die nächste Etappe und die begehrten Finisher-Trikots. Übernachtungen sind im Preis nicht enthalten.

Angeboten wird ein Gemeinschaftscamp (8 Nächte in Schulen oder Sporthallen; 150 Euro inklusive Frühstück). Wer es komfortabler wünscht: Hotels müssen individuell gebucht werden.

Umfassende Transalp- Informationen im Internet: www.tourtransalp.de

Die ganze Seite der RZ als PDF-Datei

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